Sehr geehrte 

sie haben einer Arztpraxis vorgeschlagen, andere Verbandstoffe einzusetzen als rezeptiert. Ihr Beweggrund: Einsparungen bis zu 33 % wären möglich. Sind sie Wundexpertin? Haben Sie sich die Wunden angeschaut? Kennen Sie die Ursachen, die Compliance des Patienten, das Umfeld? Ich glaube NEIN!

Denn sie haben zum Beispiel mit Ihrem Produktvorschlag „Aquacel Ag“ ein ähnlich lautendes Produkt vorgeschlagen. Es handelt sich hier um die erste „Version“ des Produktes, Hersteller: die Firma Convatec. Sie nahm noch nicht so viel Flüssigkeit auf, schrumpfte auch noch stark, so dass teilweise kein Hautschutz bezüglich des Wundrandes bestand. „Klebte“ sie am Wundrand fest, oder war sie extrem feucht – so konnte sie reißen und es erforderte mehr Zeit den Verbandwechsel fachgerecht durchzuführen. Die Firma Convatec hat deshalb das Produkt weiter entwickelt. Es wurde verstärkt und mittels Kettelung reißfester. Eine bis zu 50% höhere Aufnahmekapazität und 9x reißfester wurde damit erzielt. Hinzugegeben wurde EDTA (Ethylendiamintetraacetat) und Benzethoniumchlorid um den Biofilm besser aufzubrechen. So werden die Bakterien besser freigelegt und die Silberionen werden geschützt an ihren Wirkunsort befördert. Die Oberflächenspannung von Exsudat und Biofilm wird verringert. So ist eine schnellere Aufnahme von Exsudat in den Wundverband möglich.

Aquacel Ag ist also NICHT vergleichbar mit Aquacel Ag+ Extra! Aber ganz wichtig: seit dem 01.01.2014 wird Aquacel Ag nicht mehr in Deutschland vertrieben! Hätte die Arztpraxis dieses Produkt verschrieben, hätte es im Ausland besorgt werden müssen. Die Belieferung zum Versicherten hätte mehrere Tage in Anspruch genommenn und was geschieht mit der Wunde in dieser Zeit? Das Ergebnis der Umsetzung Ihres Vorschlages: SIE GEFÄHRDEN DIE GESUNDHEIT IHRER VERSICHERTEN!

Zu Ihren weiteren Vorschlägen: 
Profore ist ein kombiniertes Kompressionssystem zur Therapie des Ulcus cruris venosum 
Profore lite ist ein kombiniertes Kompressionssystem zur Therapie arterio-venöser Mischulcera. 
Daher auch die unterschiedliche Anzahl an Binden. Beim Profore Kompressionssystem muss auch immer der Knöchelumfang gemessen werden.

Bei den Preisen gibt es soweit keine Unterschiede, außer beim Profore. Wenn der Knöchelumfang kleiner als 18 cm ist, besteht eine Originalpackung aus 4 Set’s a 4 Binden und kostet 133,79€, pro Stück 33,45€. 
Profore mit einem Knöchelumfang von 18-25 cm, 25-30 cm und > 30cm besteht die Originalpackung aus 8 Set’s a 4 Binden und kostet 267,79 €, pro Stück 33,47€.

Profore latexfrei gibt es nur in der Größe Knöchelumfang 18-25 cm besteht die Originalpackung aus 8 Set’s mit 4 Binden und kostet 265,21€, Stück kostet 33,15 €. 
Profore lite, Knöchelumfang universal, mit Latex und latexfrei besteht die Orginalpackung aus 8 Set’s mit 3 Binden und kostet 267,79€, Stück kostet 33,47€.

Des Weiteren empfehlen Sie zum Kosten einsparen statt Allevyn Life Kliniderm Foam Border 15×15 cm zu verwenden. 
1. Die Abmessungen sind verschieden. Der Haftrand bei Allevyn Life ist größer und hat eine bessere Haftung. 
2. Allevyn Life hat einen Superabsorberverschlusskern und nimmt sehr viel Exsudat auf. 
3. Kliniderm Foam Border ist ein Schaumverband für mäßig exsudierende Wunden und nicht für stark exsudierende Wunden. 
Dies bedeutet unter anderem auch eine unterschiedliche Anzahl von Verbandwechseln in der Woche


Warum heilen Wunden so schlecht ab? Weil Wundexperten NICHT bzw. selten eingesetzt werden. Weil Sie, als Krankenkasse dies NICHT wünschen.
Wir haben schon oft Dokumentiert und dies auch ihrem Arbeitgeber mitgeteilt. Wir haben darüber informiert welche Einsparungen möglich wären. Dies haben wir belegt. 
– zum Beispiel statt 365 Verbandwechsel im Jahr ohne Heilungstendenz benötigten wir 25 Verbandwechsel zu Abheilung. Ohne kostenintensive Untersuchungen, Vorstellungen MHH usw. 
– statt 4 Jahre frustraner Behandlung mit Ankündigung der Amputation beider Füße (durch den behandelnden Arzt an die betroffene Person) benötigten wir 99 Tage zur Abheilung!
Was machen wir anders? 
Nun, wir schauen halt nicht nur auf den zu verwendenen Verbandstoff, sondern schauen wie wir die Ursachen, die die Heilung behindern, in den Griff bekommen. Wir schulen dahingehend den Betroffenen, damit er sein Verhalten, seine Lebensweise darauf ein- bzw. umstellt. Konsequent muss er dies tun! 
Wir schulen Angehörige, Pflegeeinrichtungen stationär wie ambulant in der Versorgung der Wunde. Wir halten den Kontakt zu den benötigten Hilfsmittelanbietern und überprüfen die Wirksamkeit des gelieferten und sind erst zufrieden wenn es gut ist. Arztpraxen, Krankenhäuser können dies nicht leisten. Auch hat die einzelne Hausarztpraxis zu wenige Wunden um genügend Erfahrung sammeln zu können. Zu vielfältig sind die Ursachen. Der behandelnde Arzt wird über alles notwendige in mündlicher und schriftlicher Form informiert. Er ist der Behandler, wir sein ausführendes Organ.

UNSERE ARBEIT SPART! Wir haben Angebote bezüglich einer Zusammenarbeit gemacht. Die AOK hat stets abgelehnt. Dies ginge nicht. Es würden die gesetzlichen Grundlagen fehlen. Bundestagsabgeordnete haben diese Behauptung als FALSCH zurückgewiesen. Man gewinnt den Eindruck, die Diagnose „Ulcus cruris“ bringt Ihnen mehr Geld als sie kostet. Die AOK hat uns selbst immer wieder bei schlecht heilenden Wunden dem behandelnden Arzt vorgeschlagen. Seit dem wir aber eine Vertragliche Grundlage wünschen, unsere Leistung auch von der Krankenkasse anerkannt haben möchten tun sie dies nicht mehr. Als „Sklave“ war ok? Sklaven erhielten ja bekanntlich auch keine Vergütung ihrer Leistung.

UND: es gibt Patienten, die möchten jeden Verbandwechsel von uns durchgeführt haben. Dies ist nachvollziehbar. Denn die Leidensgeschichten besteht meist über Jahre. Diese Menschen sind bereit unsere Leistungen privat zu begleichen. Grund: sie als Krankenkasse sind aktuell nicht in der Lage Ihre Versicherten mit qualitativ dem aktuellen Wissenstand entsprechenden zu versorgen. Denn Sie lehnen Angebote der Verbesserung der Situation von KRANKEN Menschen Bezüglich einer chronischen Wunde ab.

Ich sehe Ihr Anschreiben / Empfehlung daher mehr als Druckmittel zu der Sie NICHT berechtigt sind. Sie sind bereit noch mehr Strafzinsen zu bezahlen als diese Summen für Ihre Versicherten auszugeben! Gelder die sie per Gesetz erhalten für die Versorgung kranker Menschen geben Sie als Strafzins an Banken weiter!

Einsparen können Sie auch, indem Sie die Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber NICHT für Werbezwecke (große Plakate in den Städten, Sponsoring von Sportveranstaltungen – wo diese Sportler Millionen verdienen) einsetzen. Dies macht meines erachtens keine andere gesetzliche Krankenkasse. Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse werden hier aus meiner Sicht nicht korrekt eingesetzt.

Wie bereits beschrieben, Sie gefährden mit Ihren „Vorschlägen“ die Gesundheit von Menschen mit chronischen Wunden. Wir unterrichten unsere Patienten über Ihre Vorgehensweise. Sie haben ein Recht zu erfahren wie sich ihre Krankenversicherung verhält. Wie Mitarbeiter der Krankenkasse, ohne entsprechende Qualifikation, sich in die Behandlungshoheit des Arztes einmischen.

Eine Kopie dieses Schreiben geht an die von Ihnen angeschriebene Arztpraxis. 

2 Comments

Eckart.SchusterSeptember 11, 2018 at 9:13 am

Stark herausgearbeitet, Konsequenzen sind in diesem System leider schwer. So bezweifle ich das es bei anderen Krankenkassen anders laufen würde, dennoch könnte es ein kurzfristiges Mittel sein seine Versicherung zu wechseln. Ich bin gespannt wie die Reaktion dazu ausfallen wird. Ein Sachbearbeiter xy ist überfordert oder denkt er hat medizinisches Halbwissen welches er jetzt so richtig in Krankenkassenschreiben einflechten kann. So etwas vielleicht auch mal an die Presse weiterleiten. Könnte mir vorstellen eine Apothekenzeitung o.ä. hört sich das mal gerne an.

    Eckart.SchusterSeptember 11, 2018 at 9:13 am

    Hier in Niedersachsen zumindest die DAK. Sie hat zwar auch einen IV Vertrag abgelehnt. Begründung: sie hätten schon einen. Aber, sie erstatten ihren Versicherten zumindest einen Teil meiner Rechnung. Besser als gar nichts. Die AOK lehnte bisher Kostenübernahmen konsequent ab. Sie lassen Ihre Versicherten also die Krankheiten „Chronische Wunde“ selbst bezahlen.

Was es noch zu sagen/schreiben gebe........

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